| Vergils
Leben und Werk P. Vergilius Maro: geboren
am 15. Oktober 70 v. Chr. in Andes bei Mantua, landschaftliche
Schönheit und bäuerliche Lebensweise prägen
den Dichter; Ausbildung in Cremona und Mailand: Catull
und Lukrez (Verfasser des epikureischen Lehrgedichts de
rerum natura) zu dieser Zeit am Höhepunkt
ihres Schaffens;
52 v. Chr.
erster Aufenthalt in Rom, wo Chaos herrscht: Staat
in verfeindete Lager gespalten,
Straßenschlachten rivalisierender Banden (zB
die von Clodius bzw Milo), Zweckbündnis
zwischen Caesar und Pompeius kurz vor offenem
Bruch, alte Republik im Todeskampf,
Vergil sucht fern der Politik in Neapel ein
Leben im philosophischen Freundeskreis: Schüler
der beiden Epikureer Siron und Philodem; mittlerweile
im gesamten Imperium Bürgerkrieg: Caesar siegt
vorerst (Pompeius unterliegt bei Pharsalos 48
v. Chr., der eingefleischte Republikaner Cato begeht
nach der Niederlage bei Thapsus und Uttica 46 v. Chr.
Selbstmord); nach Caesars Ermordung wollen Marcus
Antonius und der erst 18-jährige Caesar Octavianus dessen
Nachfolge antreten, verbünden sich gegen Caesarmörder,
siegen bei Philippi 42 v. Chr.; Proskriptionen (Cicero
wird von Schergen Mark Antons ermordet) und
Landenteignungen (Vergil selbst vielleicht davon betroffen);
wachsende Rivalität unter Siegern verhindert dauerhaften
Frieden;
Um 40 v. Chr. beginnt Vergil mit Bukolika
(= Eklogen), einer Sammlung von zehn Hirtengedichten;
literarisches Vorbild die Idyllen des aus Sizilien
stammenden, hellenistischen Dichters Theokrit (3.
Jhd. v. Chr.), bei Vergil idyllische Hirtenwelt
mit römischer Realität verknüpft: Bürgerkrieg
und Landenteignung (Thema der Eklogen 1 und 9);
auch Hoffnung auf Frieden klingt an (Ekloge 4 handelt
von der Geburt eines Kindes, das der Welt
den langersehnten Frieden bringen wird; von Kaiser
Konstantin im 4. Jhd.n.Chr. als Prophezeihung
des christlichen Erlösers gedeutet, nicht zuletzt
deshalb Vergil im Mittelalter gern gelesener Autor);
weitere Themen vergilischer Bukolik: Liebeslieder,
Wettgesänge, Reflexion über Dichtung;
Bukolika verschaffen Vergil Ansehen
als Dichter; Aufnahme in literarischen Kreis des Maezenas
(Vertrauter Oktavians, förderte junge,
begabte Dichter); ihm Georgika gewidmet: Lehrgedicht
vom Landbau in vier Büchern; Vorbild neben einigen
hellenistischen Dichtem vor allem Hesiod von Askra (um
700 v. Chr.), gleichzeitig Auseinandersetzung mit epikureischem
Dichter Lukrez (eine Generation vor Vergil, äußerst
pessimistische, düstere Weltsicht); Vergil sieht
die Welt sinnhaft geordnet: über Mühsal
und Leid führt ein Weg zum Heil, in den vier
Büchern (Ackerbau / Obst- und Weinbau / Viehzucht
/ Bienenzucht) wechseln "dunkle" und "lichte" Bücher
einander ab,
31 v. Chr. siegt Octavianus in
der Seeschlacht bei Actium über Marcus
Antonius; Ende der Bürgerkriege; Beginn der
Friedenszeit des Augustus, deren Preis Vergil mit seinem
Hauptwerk, der Aeneis, singt-, Vorbild die homerischen
Epen; Aeneis verbindet Mythos mit römischer
Geschichte; über ihrer Vollendung stirbt Vergil
nach zehnjähriger Arbeit im Jahre 19 v. Chr.; Nationalepos der
Römer; ungeheure Nachwirkung;
Mit freundlicher
Unterstützung von F. J. Grobauer
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