Cicero als philosophischer Autor
M.
Tullius Cicero (106-43 v.): geboren in Arpinum,
aus Ritterstand, gediegene Ausbildung und anschließend
steile Karriere in Rom als homo novus , bedeutendster
Redner seiner Zeit, erfolgreicher Rechtsanwalt, ambitionierter
Politiker: Höhepunkt seines politischen Lebens
Konsulat (63 v.) mit der Aufdeckung der catilinarischen
Verschwörung,Wende
durch das 1. Triumvirat zw. Caesar, Pompeius und Crassus
(60 v.), Cicero wird in die Verbannung geschickt, auch
nach seiner Rückkehr ist er politisch kaltgestellt,
sein Programm vom consensus omnium bonorum bleibt ungehört.In
der Zeit der politischen Bedeutunglosigkeit (55-51
v.) verfasst er drei Dialoge (fast alle philosophischen
und
rhetorischen Schriften Ciceros sind in Dialogform abgefasst):
de
re publica: 6 Bücher über den Staat (Vorbild
Platons Politeia), nur teilweise erhalten.
de
legibus: über die Gesetze (Vorbild Platons
Nomoi), nur fragmentarisch erhalten.
de
oratore: 3 Bücher über den idealen Redner. Im
Jahre 51 v. wird Cicero Prokonsul von Kilikien, es folgt
der Bürgerkrieg zw. Caesar und Pompeius-, letzterem
schließt sich Cicero nach langem Zögern an.
Nach dem Sieg Caesars wird er zwar begnadigt, doch wieder
zur politischen Untätigkeit verurteilt.Ab
46 v. nützt Cicero sein unfreiwilliges otium dazu,
die griechische Philosophie in lateinischer Sprache darzustellen.
Die wichtigsten Werke dieser Zeit: de
finibus bonorum et malorum: 5 Bücher über
das höchste Gut und Übel.
Tusculanae
disputationes: 5 Bücher Gespräche in
Tusculum.
de
natura deorum: 3 Bücher über das
Wesen der Götter.
de
officiis: 3 Bücher vom pflichtgemäßen
Handeln.
Nach
der Ermordung Caesars (44 v.) sieht Cicero erneut seine
Zeit gekommen, er versucht den jungen Caesarerben Octavian
für den Senat zu gewinnen und hält seine Philippischen
Reden gegen den machthungrigen Mark Anton. Als sich aber
Mark Anton und Octavian gegen den Senat verbünden,
wird Cicero proskribiert und von den Häschern
des Mark Anton erschlagen (43 v.).
Ciceros philosophische Haltung:
• fühlt sich der Akademie (hellenistische Philosophenschule, die auf Plato zurückgeht)
zugehörig; • gemäßigter
Skeptizismus (Methode: in utramque partem disputare),
Lehrer Philon; • Eklektizismus (Auswahl
aus den Lehren der einzelnen Philosophenschulen: z13
Stoa),
• Lehrer Antiochos; • Verbindung
von Philosophie und Rhetorik
• (Philosophie muss auch überzeugend
dargelegt werden können);
Ciceros Leistung: • Darstellung
der griechischen Philosophie in lateinischer
Sprache
• für
ein breiteres römisches Publikum, • Übertragung
griechischer philosophischer Terminologie ins
Lateinische,
• dadurch
Grundlage für spätere lateinische
Philosophen;
Mit freundlicher
Unterstützung von F.
J. Grobauer |